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Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Die Caravanseray Vienna 2018 findet statt vom 23. - 27. August!
Finale
Alle Jahre wieder und heuer bereits zum 8. Mal die „Caravanseray Vienna“, die Karawanserai Wien, ein Tribal-Festival der besonderen Art, mit viel Liebe und Detailarbeit zubereitet von Doro und Michaela, die man vor allem gemeinsam als Nakari kennt. Ihr Festival hat mittlerweile einen Standard erreicht, auf dem sie den direkten Vergleich mit anderen Tribal-Veranstaltungen nicht scheuen müssen. Hier ein Rückblick auf den vergangenen Sommer, und es ist sicher einsehbar, daß bei einem Füllhorn von deutlich über 60 Auftritten eine Auswahl getroffen werden mußte.
"EBBE UND FLUT IN MIR
UND UM MICH HERUM …"

Showbericht zur „Car-Vie“ 2017

von Marcel Bieger

Show

Stärker noch als jedes andere Festival, das sich dem Tribal Fusion verschrieben hat, kommen hier neue Entwicklungen, neue Interpretationen und neue Trends zum Tragen. Sie werden hier bewußt gepflegt und gehegt. Und man sollte genau hinsehen, denn schon lange kommt nicht mehr alles Gute und Neue allein aus den USA. Die Nakari rufen zu ihrem Festival nach Wien, das so ziemlich in der Mitte Europas liegt, und von nahezu allen umliegenden Ländern kommen Künstlerinnen, um zu zeigen, was sie Neues für sich und den Tribal Fusion erarbeitet haben. Es wird immer spannend …

Die Wüstenrosen sind Wiens erste Adresse, wenn es um Tribal Fusion geht. Doro und Michaela sind nicht nur aus diesem Stamm hervorgegangen, sondern gehören ihm auch immer noch an. Und so nimmt es nicht Wunder, wenn die Wüstenrosen sich für jede Caravanseray etwas Besonderes vornehmen. In diesem Jahr einen improvisierten Tribal mit deutlichem Bollywood-Einschlag. Zu neunt treten die Damen an, gehen es langsam und getragen an, werden dann schneller und zeigen neben hübschen Bildern auch viel Lebensfreude.

Aus Kroatien kommt das Nataya-Projekt, ein Duo mit dramatischem und flottem Orient-Tribal (sie nennen das Vorläufer des Tribal). Ein wuchtig vorgetragenes Stück. – Yazz aus Tschechien bringt uns die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin in ihrer Interpretation mit. Sie tanzt ebenso dramatisch wie die Musik erklingt, und mit ihrem „Burlesque“ erinnert sie an die legendäre Tempest (nicht nur wegen des Kostüms).
Melli Sarina ist aus Augsburg angereist und beschert uns eines ihrer Stücke im typischen Melli-Stil mit viel ausgefeilter Tanztechnik, den ihr so leicht keiner nachmacht. Sie scheint in ihr eigenes Universum einzutauchen und uns daraus – tänzerisch – zuzuwinken; großen Anteil an der Schönheit ihres Tanzes hat Mellis wirklich bemerkenswerte Bühnenausstrahlung. – Der ATS darf natürlich bei einer Tribal-Werkschau nicht fehlen, und hier ist es sogar Tribal International mit einem musikalischen Schwer(metall)gewicht: „Nothing Else Matters“ von Apocalyptica. Sieben Künstlerinnen aus ebensovielen Ländern führen uns vor, warum der ATS eine internationale Tanzsprache ist, in der sich jede ausdrücken kann.

Ein Sextett führt uns unter Wasser, zur Underwater Collaboration (die Choreographie stammt von den beiden Nakaris und Sway aus Deutschland), die uns wie eine fluoreszierende Seeanemone mit schlangengleichen Bewegungen hypnotisieren. – Und im Anschluß Sway selbst mit einem ernsten Fantasy-Tanz mit Tempeltanz-Motiven, einer Prise Kampfkunst und der Ausstrahlung eines weiblichen Neptuns.

Deep Purple kommen hier nicht aus England (und sind auch keine Hardrock-Kapelle), sondern aus Freiburg/i.Br. und leuchten uns ebenfalls mit ATS streng nach Lehrbuch heim. – Und nun die Gastgeberinnen selbst, Doro & Michaela, verwöhnen uns, hier mit einem Balkan-beeinflußten Stück; auf engem Raum bewegen sie sich, natürlich und perfekt synchron und immer aufeinander eingestimmt, ihr Markenzeichen. - Giuliana Angelini lebt in München, stammt aber aus Norditalien, und die italienische Leichtigkeit und Lebenslust prägt auch ihren Tanzstil. Sie forscht schon seit einiger Zeit am Burlesque und hat uns für die „Car Vie“ Django Reinhards Version des Swing-Klassikers „Chicago, You’re My Kind Of Town“ mitgebracht.
Wunderbar, so etwas endlich auf der Bühne zu sehen, die Tribletten aus Böttingen im Donausbergland tanzen nach Neas Fundamentals, ein von Gabriele Keiner weiterentwickeltes ATS-Format, das seit einigen Jahren bei uns immer mehr Anhänger findet. Und mindestens ebenso schön, daß sich noch jemand an Angelo Branduardi erinnert.
Die Teachers‘ Collaboration fand sich anläßlich dieses Festivals mit acht Tänzerinnen aus 6 Ländern zusammen und vogued in phantasievollen Kleingruppen, wobei jede Künstlerin ihre ganz persönliche Note einbringt. Der Quoten-Mann ist natürlich auch dabei, Zofar aus Tschechien, der zu OT-Klängen - immerhin! – seine Version von Tribal Fusion zum Vortrag bringt. – Patricia Zarnovican, eine der Gründermütter des Tribal Fusion in Deutschland, hat sich schon vor Jahren einen Satz Bausteine zu Tribal Fusion-Bewegungen zu- und angelegt, und den beherrscht sie immer noch …
Um den Dub Step, vor wenigen Jahren noch von keiner Tribal Fusion-Bühne wegzudenken, ist es merklich stiller geworden, aber kein Grund, ihn ganz zu vergessen, wie das kroatische Quartett (zuhause eigentlich ein Sextett) Bastet Tribal Dance Company beweist. Die Damen tanzen angenehm synchron im Ensemble, eine insgesamt hübsche Leistung. - Tribal Fusion ist das schnellebigste und rasanteste Tanz-Medium im Großverband Bauchtanz. Da von einer großen alten Dame zu sprechen, mutet sicher seltsam an. Doch wir sind jetzt beim Kapitel Dud Muurmand, die schon seit langem dabei ist (schon vom 1. Tribal Festival in Hannover zum Beispiel), und sie hat damals wie heute zu den kreativsten Köpfen der Szene gehört. Wir haben von ihr noch nie ein Stück mehrmals gesehen, und sie läßt sich auch sonst immer wieder neue fusionswürdige Genres und Schritte einfallen.

ATS aus Tschechien, warum nicht, dieser Tanz ist schließlich weltweit darstellbar. Die Chico Dancers kommen aus Brünn (Brno) und führen vor, daß sie den ATS-Tribal beherrschen, sie verfeinern ihn auch mit Tango, wobei zwei von ihnen mittendrin damit anfangen, bis die beiden anderen sich ihnen angeschlossen haben. - Aus dem schönen Polen besucht uns Agata Zakrewska. Sie kommt unverkennbar ebenfalls aus dem ATS (und gilt in ihrer Heimat als eine der ganz großen), läßt den aber noch mehr nach Tribal Fusion aussehen und gibt eine große Prise Flamenco hinzu. Ein spannender Vortag!

Ein besonders hell leuchtender Star am Tribal Fusion-Himmel ist die US-Amerikanerin Michelle Sorensen, die mit dem aktuellen Voguing-Tribal Fusion aufwartet. Andere Festivals würden sie als ihren Stargast plakatieren, aber die „Caravanseray Vienna“ ist ja etwas anders gestrickt. Nicht, daß es ihnen an Stolz darüber, eine solche Koryphäe im Hause zu haben, mangelte, doch kommen die anderen Künstlerinnen deswegen bei ihnen nicht zu kurz. Und Michelle beweist auch ohne Umwerbung ihre Tanzgröße.

Den krönenden und passenden Abschluß bildet das Choreographie-Projekt von den Nakaris, Dumbledore’s Army, deren Stil sie als „Nerd Fusion“ bezeichnen. Dabei handelt es sich hier um allerfeinstes Tanztheater. Verschiedene Kleingruppen tanzen, räumlich getrennt, das Gleiche, zusammengehalten von musikalischen Stilwechseln. Wir zählen vierzehn Tänzerinnen, und besonders spannend wird es, als sie alle in einer langen Reihe dastehen und sich aus dieser Solistinnen und Kleingruppen lösen, nicht alle gleichzeitig, aber auch nicht hintereinander weg. Dahinter muß ein Prinzip stecken, das jedoch von jenseits unserer drei Dimensionen stammt. Diejenigen, die sich aus der langen Reihe gelöst haben, fügen sich zu neuen Tanzgemeinschaften zusammen, und daraus entwickelt sich dann handlungsreich und phantasievoll das Schlußbild. Bravo!
AFTER SHOW PARTY

Auf dieser Party finden sich die Tänzerinnen, die anderswo auf die Offene Bühne geschickt werden; und „Party“ klingt doch irgendwie besser, und man geht mit ganz anderen Erwartungen dorthin. Auch hier sehen wir Künstlerinnen aus allen Ländern rings um Wien, und hier wird noch mehr experimentiert und über Grenzen gegangen. Wir können nicht alle Beiträge vorstellen und würdigen, dafür sind es ihrer zu viele gewesen. Aber wir können eine (subjektive) Auswahl bieten, oder anders ausgedrückt, auf die Darbietungen eingehen, die besonders gefallen und überzeugt haben …

ITS ist eines der angesagtesten Unter-Genres des Tribal Fusion, und am Anfang dieser Party erleben wir ihn gleich international: ITS-International heizt uns ein, erst langsam und edel, dann schneller und rockiger. Als besonderer Gag zum Schluß, als es so aussieht, als würden die Damen abgehen, legen sie noch einmal los. DJ-Falle hat man das früher genannt. Keine Ahnung, wie das heute heißt … - Die Nürnbergerin Akasha entführt uns aus geheimnisvollem Anfang mit getragener Musik in eine flotte Nummer mit einschmeichelnden Schritten.
Sisters in Dance nennt sich ein ATS-Duo aus Ungarn, die hier und heuer in Wien zum erstenmal gemeinsam öffentlich auftreten. Zum Tanz begleiten sie sich mit Zimbeln und schaffen es, dabei äußerst synchron aufzutreten, wie sie auch sonst sehr gut aufeinander eingestellt sind. – Sandra hat den weiten Weg aus Bulgarien auf sich genommen und erzählt uns in ihrer eigenständigen Tribal Fusion-Interpretation (mit Modern- und anderen Einschüben) eine Geschichte zur Musik „Ain’t No Sunshine When He’s Gone“.
Und damit zu einem ganz besonderen Kapitel: dem Darjaströs Bellydance Project aus Berlin. Die Musik beginnt sparsam, um nicht zu sagen spärlich wie der Taktschlag eines Metronoms. Ein paar Musikinstrumente kommen hinzu, aber ebenfalls weit von üppig entfernt. Dazu tanzt ein Duo (eben Darjaströs) zu Klangfetzen von Hildegard Knefs Hit „Von nun an ging’s bergab“, womit die beiden durchaus auf ihr Lebensgefühl in Berlin anspielen. Ihr Tanz bewegt sich irgendwo zwischen Tribal Fusion, Zeitgenössisch und spontanen Wallungen, aber die beiden sind absolut überzeugend in dem, was sie tun. – Sina von Mahena tanzt zum ersten Mal solo, und dazu hat sie sich etwas sehr Ambitioniertes vorgenommen: Tribal und Flamenco tänzerisch zu fusionieren. Sie macht das sehr schön, Chapeau!
Aus der Ukraine besucht uns Natalie Shade und öffnet dem Tribal Fusion ebenfalls neue Tore: Sie vermischt den Stil mit Soul und Funk, und ein Trommelsolo ist auch dabei. Darüber vergißt sie aber ihre Fraulichkeit nicht und trägt ihren Tanz sehr weiblich vor.

Und noch einmal die Wiener Wüstenrosen, die uns augenzwinkernd einen Blick darauf gewähren, was sie nach einem Auftritt hinter der Bühne treiben. Ins Tanztechnische übersetzt: eine „burlesque“-Nummer, Unterabteilung: Stuhltanz.

Amira aus Saarbrücken vertanzt die „Phasen der Stabilität und Instabilität im Leben“ und wie man dazwischen die Balance findet. Und wie tanzt man das? Natürlich zeitgenössisch. Gut gelöst. - Künstler aus der Slowakei betreten nun die Bühne, das Duo Gabrisove besteht aus Mutter und Tochter. Ihr Balkan-Tribal Fusion ist zwar eher traditionell, aber mit welcher Lebensfreue sie ihn umsetzen!
Sirode aus Frankreich zeigt uns viel Bodenarbeit zu a capella-Gesang, insgesamt ein Experiment in zeitgenössischem Tanz mit deutlichem Tribal Fusion-Einschlag. – Michelle Sorensen und Simone d’Eusanio bilden mit ihrem Impro-Tribal Fusion den Abschluß dieser Party, weiter geht es dann mit der After-Party.
Und sonst … Doro & Michaela bieten ihren Gästen nicht nur Workshops, Auftritte usw. sondern auch touristische Rundfahrten durch das schöne Wien und die traditionelle Party auf der künstlichen „Donauinsel“ draußen und im Freien. Um die bösen Geister der Nacht zu vertreiben, treten etliche Feuerkünstler und sonstiges Gauklervolk an. Doch ist dies weniger eine neue Show, als vielmehr das Unterhaltungsprogramm für eine zünftige Party.

So, damit schließt auch diese „Karawanseraj“ wieder ihre Pforten, und wir können nur von Herzen gratulieren, daß es den Nakari wieder einmal gelungen ist, ein klasse Festival auf die Beine zu stellen und durchzuführen. Hoffentlich haben sie weiterhin den langen Atem, das auch in zukünftigen Jahren zu stemmen.
Melli Sarina
Yazz
Die Wüstenrosen
Nataya-Projekt
Underwater Collaboration
ATS International
Sway
Giuliana Angelini
Michaela & Doro - Nakari
Deep Purple
Teacher's Collaboration
Tribletten
Zofar
Patricia Zarnovican
Bastet Tribal Dance Company
Dud Muurmand
Agatha Zakrewska
Chico Dancers
Michelle Sorensen
Dumbledore's Army
ITS-International
Akasha
Sandra
Sisters in Dance
Darjaströs
Sina von Mahena
Natalie Shade
Duo Gabrisove
Michelle Sorensen
Sirode
Amira
Die Wüstenrosen